„Hätten wir hier nicht rechts gemusst?“

30 11 2007

So eine Lysann, die braucht ein bischen Verwirrung, ein bischen Veränderung in ihrem Leben. Und wie erzeugt man Verwirrung? Genau. Man biegt links ab, wo man immer rechts abgebogen ist.

Der neue Sport: Verfahren

Ich habe die Philosophie des Verfahrens für mich entdeckt. Es mag zum Teil daran liegen, dass das flachbrüstige Hessen (bzw. Darmstadt) keine guten Kurven bietet. Zum anderen auch daran, dass man Abkürzungen finden möchte – die altbekannte Suche nach dem Besseren. Doch der eigentliche Reiz liegt darin, einmal später abzubiegen und auf der anderen Seite der Stadt herauszukommen, ohne es sich geographisch erklären zu können.
Eine ungeahnte Freude! Neue Stadtteile gibt es zu entdecken, mit ihren Naturparks, Verkehrsführungen (oder Entführungen) und Geheimrestaurants. Und dann die Erleichterung endlich etwas wiederzuerkennen. Der Stolz zu wissen, wohin dies Abbiegung führt, an der ich sonst immer vorbei fahre. Einfach der Reiz des Entdeckens. Im Zeitalter der ausgemalten Weltatlasse – weiße Flecken sind verpönt – im Zeitalter der googlemaps und des Navi gönne ich mir die Freiheit, nicht zu wissen, wo es langgeht. Wie sonst findet man die besten Parkplätze? Das fast vergessene Schlösschen mitten im Wohgebiet?

So spreche ich ein Plädoyer fürs Verfahren aus: Schaltet die Navis aus, zerreist die Straßenkarten und überlasst euch eurem Orientierungsgefühl (und wer keins hat, wird wohl ein kontaktfreudiger Mensch werden). Denn wie sagte einst so schön Goethe? „Entdecke die Möglichkeiten!“
Ach nein, das war Ikea :D





Heimfahrt

27 11 2007

Landschaften fliegen vorbei, Fragen entstehen. Es regnet in Darmstadt. Doch ich fahre nach Hause. Nach Hause in die größte Weinbaugemeinde Baden-Württembergs.

Die Autobahn ist ein einziger grauer Gedankenfaden. Es würde mich nicht wundern, wenn ich die richtige Ausfahrt verpassen würde und irgendwann bei München merke, dass ich mich nicht mehr auskenne.
Ich habe Sehnsucht nach meiner Landschaft. Wer hätte gedacht, dass ich sie so tief im mir aufnehmen würde, dass sie ein Teil von mir wurde?

Nach dem Autobahneinerlei kommt das Burgenland. Der Weg von Sinsheim nach Eppingen windet sich um Wälder, Ruinenhügel und schlichte Felder. Es ist anders als in „der Stadt“: Autos sind individuell. Tiere am Straßenrand lebendig. Nächte verträumt. Die Tage ruhen gemächlicher auf der breiten Landschaft.

Dann das letzte Tor zu meiner Heimat: Der Eppinger Wald. Düster in der Höhe, Nebel steigt aus den Wipfeln auf. Goldene Baumspitzen leuchten vereinzelt. Sobald ich eintauche, flackert Feuer an beiden Seiten empor. Laub-Lava schlängelt sich mit der Straße den Wald hinauf.

Und dann erst gibt die Landschaft den Blick frei: Weinberge. Ringsherum braun, knorrige Weinstrunke aufgefächert.
Unten kann man das Dorf sehen. Sacht führt die Landschaft den Blick auf der anderen Seite wieder hinauf, zur nächsten Hügelkuppe.
Manchmal ist es, als ob die Hügel den Blick aufspannen, die Seele wie ein Tuch über die Täler ausbreiten und der Wind darunter hindurchstreicht. Eine innere Weite.