Bei Langeweile

13 01 2008

Hier eine kleine beispielhafte Liste, die eure Fantasie beim nächsten Langeweileanfall inspirieren könnte: Diesen Beitrag könnt ihr euch auch anhören.

  1. Konvertieren und Yoga in der Fußgängerzone lehren.
  2. Alle Uhren gleichstellen, am Besten nach der Atomuhr, nur so weiß man die Uhrzeit wirklich genau.
  3. Spontane Stadtbesichtigung bei Nacht (man hat endlich alles für sich und niemand steht andauernd im Bild).
  4. Mit Pflanzen reden, weil sie noch wirklich zuhören und dankbar sind, wenn sich jemand mit ihnen unterhält (hoffe ich Mal).
  5. In der Zeitung Rechtschreibfehler anstreichen (wer das Ganze gleich “richtig” machen will: Notenskala aufstellen und Noten verteilen. Auch Zeugnisse sind möglich in Form von Leserbriefen).
  6. Abschiedsbriefe schreiben und glücklich trotzend weiterleben.
  7. Zurückgelassene Bons in Einkaufswägen anschauen und daraus sich das Leben anderer vorstellen.
  8. Die Äste am kahlen Baum vorm Fenster zählen (sonst geht das ja wegen den vielen Blättern leider nicht).
  9. Listen mit Lieblingsfilmen, Lieblingsmusik oder Lieblingsbüchern erstellen (sehr verbeitet und beliebt – doch darum leicht konservativ).
  10. Selbst aus Kartoffeln Chips backen, bzw. frittieren und sich freuen, der Ernährungsindustrie ein Schnippchen geschlagen zu haben.
  11. Blogs schreiben und hoffen, dass sie irgendwer da draussen liest (empfehlenswerter: Flaschenpost. Denn da kann man sich erstens ‘nen Fluss aussuchen und zweitens auf einer Karte schauen, wo die Flasche alles vorbeischwimmen könnte – auch wenn sie in Wahrheit zweíhundert Meter weiter schon hängengeblieben ist).
  12. Endlich all die Zeitungsschnipsel lesen, die man ausgeschnitten hat, weil man dachte, dass sie irgendwann mal wichtig sein könnten.
  13. Und dann alle Zeitungsschnipsel wegschmeissen, weil man sieht, dass sie überhaupt nicht wichtig waren.
  14. Ganz beliebt: Sachen aussortieren.
  15. Mitleid mit den aussortierten Dingen haben und die Hälfte wieder aus dem Müll retten.
  16. Sich über den schwer erreichbaren Dreck hinter der Heizung ärgern und laut lamentierend rumschrubben.
  17. Eine aufwändige Mahlzeit kochen, mit Suppe, Salat, Zwischenspeise und Ameuse-guele sowie Aperitif, um dann zu sehen, dass man alleine nicht mal die Suppe schafft. Inklusive dem Aufräumen und Einkaufen exotischer Zutaten, eine nette Art der Zeitverschwendung.
  18. Alle Bücher im Regal genau auf eine Linie rücken (ganz sicher nicht meine Idee).
  19. Oder nach Farbe sortieren (schon eher meine Idee).
  20. Das Lexikon durchlesen, weil man davon träumt, endlich alles zu wissen.
  21. Pläne zur Übernahme der Weltherrschaft schmieden.
  22. Überlegen, was einem fehlt und wer dran schuld sein könnte – auch sehr beliebt.
  23. Einen perfekten Banküberfall planen (schließlich hatten wir alle mittlerweile genug Unterricht durch all die Serien und Bücher, in denen Fehler aufgedeckt wurden).
  24. Vor dem Spiegel stehen und mal an dieser und mal an jener Haarsträhne rumzupfen, um herauszufinden, ob man schön aussieht, sich die Haare schneiden sollte oder besser das Shampoo wechseln oder gleich den Mann…?
  25. In Elektronikgeschäften auf neue technische Gerätschaften Jagd machen, die das Leben erleichtern.
  26. In Elektronikgeschäften auf neue Männer Jagd machen, die das Leben erleichtern (zumindest vorerst).
  27. Sich überlegen, was man alles tun müsste, eine To-do-liste schreiben, nach Priorität und Themengebieten sortieren und dann doch nichts von all dem tun.
  28. Das Zimmer aufräumen und den letzten hartnäckigen Fussel vom Teppich zupfen und dann sich nicht mehr bewegen, damit nicht alles wieder dreckig wird.
  29. Die Möbel umstellen und dabei eine völlig neue Seite des Zimmers entdecken – und an sich selbst.

Wenn man all das überfliegt, zeigt sich doch ein einfühlsames Bild vom Menschen. Er versucht Ordnung oder Abwechslung in sein Leben zu bringen und sei es durch seine Bleistifte.
Deswegen habt Verständnis mit dem teilweise unverständlichem Verhalten eurer Nächsten, sie versuchen nur mit sich selbst klarzukommen.





Dieburgs Maria

2 12 2007

Die heilige Maria steht andächtig auf ihrer Säule. Auf kleinstem Platz sich vollkommen ausbreitend, verstrahlt sie Geborgenheit und heilige Stille. Um sie herum zieht sich ein Kreis aus Rosen, die sich von ihrer Kraft nähren. Braun dürre Ranken sind es jetzt, eher beschützend ziehen sie sich knarrend enger um die Marie, damit sie nicht friert, so wie sie. Der Wasserring, der die heilige Maria umschloss, ist vertrocknet.
Wenn im Sommer Sonnenstrahlen aus dem Wasser über ihr Gesicht schimmern, wie mag es sich wohl anfühlen?

Was der Name Maria bedeutet, ist nicht einstimmig geklärt. Es tauchen sowohl Erklärungen wie “die von Gott geliebte” oder “die Widerspenstige” sowie “die dem Meer entsprossene”, “die Betrübte” oder auch “die Schöne” auf. Wie weit doch diese Eigenschaften auseinander liegen. Es dokumentiert, wie viel in dieses alte Frauensymbol hineininterpretiert wurde.
Das Zeichen der heiligen Marie ist die Rose. Wie innig diese Verbindung ist, zeigt folgende Geschichte:
Auf einem alten Friedhof waren Grabmale zu finden, die zu verwittert waren, um sie einem Namen oder einer Zeit zuzuordnen. Doch ungeachtet ihrer Vergessenheit, blühte eine Rose auf einem einzelnen Grab. Ein Rosenkenner entdeckte sie und konnte feststellen, dass es sich um eine sehr alte Sorte aus den Anfangstagen der Rosenzüchtung handelte. Zu Goethes Lebzeit blühte sie dort und schmückt und schützt noch immer das Grab.

Etwas abseits der Groß-Umstäder Hauptstraße ist die Dieburger Maria zu finden. Nur wer sucht sie?





“Hätten wir hier nicht rechts gemusst?”

30 11 2007

So eine Lysann, die braucht ein bischen Verwirrung, ein bischen Veränderung in ihrem Leben. Und wie erzeugt man Verwirrung? Genau. Man biegt links ab, wo man immer rechts abgebogen ist.

Der neue Sport: Verfahren

Ich habe die Philosophie des Verfahrens für mich entdeckt. Es mag zum Teil daran liegen, dass das flachbrüstige Hessen (bzw. Darmstadt) keine guten Kurven bietet. Zum anderen auch daran, dass man Abkürzungen finden möchte – die altbekannte Suche nach dem Besseren. Doch der eigentliche Reiz liegt darin, einmal später abzubiegen und auf der anderen Seite der Stadt herauszukommen, ohne es sich geographisch erklären zu können.
Eine ungeahnte Freude! Neue Stadtteile gibt es zu entdecken, mit ihren Naturparks, Verkehrsführungen (oder Entführungen) und Geheimrestaurants. Und dann die Erleichterung endlich etwas wiederzuerkennen. Der Stolz zu wissen, wohin dies Abbiegung führt, an der ich sonst immer vorbei fahre. Einfach der Reiz des Entdeckens. Im Zeitalter der ausgemalten Weltatlasse – weiße Flecken sind verpönt – im Zeitalter der googlemaps und des Navi gönne ich mir die Freiheit, nicht zu wissen, wo es langgeht. Wie sonst findet man die besten Parkplätze? Das fast vergessene Schlösschen mitten im Wohgebiet?

So spreche ich ein Plädoyer fürs Verfahren aus: Schaltet die Navis aus, zerreist die Straßenkarten und überlasst euch eurem Orientierungsgefühl (und wer keins hat, wird wohl ein kontaktfreudiger Mensch werden). Denn wie sagte einst so schön Goethe? “Entdecke die Möglichkeiten!”
Ach nein, das war Ikea :D








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