Himmelarschundzwirn! Diese verdammte Post!

29 11 2007

Ich bin auf dem Pfad des Todes. Jemand wird dran glauben müssen. Und was ist der Grund?
Meine persönliche Hölle namens Post.

Wie in dem Beitrag „Wöchentlich grüßt der murmelnde Postmitarbeiter“ angekündigt, begab ich mich heute ins Zentrum des Schreckens: Die Post von Dieburg.
Ich ließ mich nicht abschrecken, ging direkt zu den Umschlägen und suchte den passenden aus, stellte mich an und erblickte SIE. Direkt vor mir schloß der Schalter mit der liebenswürdigen Brünetten und SIE öffnete ihre Pforten. Ein Blick und wir beide wussten: Das würde nicht gut ausgehen. Ich habe es eilig, muss eine Freundin rechtzeitig zum Bahnhof bringen. SIE hat alle Zeit der Welt.

Doch ich bin Optimist, trage mein Anliegen vor, zeige ihr den Umschlag mit dem Buch und dass ich gern den Umschlag bez— SIE dreht sich um. In aller Ruhe stempelt sie Pakete und stapelt Kisten. Ähm, Entschuldigung? Ein Blick auf mich und der Entschluß in ihren Augen: „Die kann noch warten“. SIE auch bekannt unter dem Namen Marianne D. (Neu-Taufung meinerseits) bemerkt, dass es leider sonst nichts mehr zu tun gibt und kehrt zurück. Freundlich wie immer. „Dat geht nich“. Wie das geht nicht? Das ist eine verdammte Buchsendung, was soll da nicht gehen? Sie überwindet sich zu einer Antwort: „Na, Buchsendung kann ich nich Briefmarken geben. Geht nich.“ Ja, aber warum?? „Ja, gibt so’nen Code. Muss ich direkt drucken.“ Wo ist das Problem? Liegt doch vor ihr, soll sie’s draufkleben, draufstempelt oder sonstwas, Hauptsache weg! Ein Gedanke braut sich zusammen, ihre Stirn zeigt es deutlich. „Warten’s mal. Na dat wiegt doch zuviel. Gebens mal her. So. Mehr als’n Kilo. Päckchen.“ So, da hab ich’s. Was muss der Kunde auch so doof nachfragen? Jetzt bin ich offiziell zum Geldbeutelleeren verurteilt. Umschlag (zu klein) und Päckchenversand – das macht 7 Euro. Und an diesem Punkt bin ich bereit, als liebes, nettes Mädchen, das nur Gutes will, dieser Angestellten „eins in die Fresse zu schlagen“. Meine Gewaltbereitschaft ergießt sich in Gewaltphantasien, ich plane Boykottaktionen, zerfetze Versandtaschen und sie sitzt mittendrin als Geisel. Aber ich hab es ja eilig. Wann anders.

Ich renne zum Auto samt Buch in Quetschverpackung, einem weiteren Umschlag (wieder das alte Problem, dass man mehrere kaufen muss), Päckchenzettel zum Ausfüllen, Quittung und – irgendwie haben sie sich wieder eingeschlichen – zwei Prospekte für ein Postbankkonto. Wie eine Blöde rase ich zum Hauptbahnhof, doch davor muss ich durch den Dieburger Wald (endlos) und ganz Darmstadt (endloser). Bei der sechsten roten Ampel steht das Wort „scheitern“ klar vor meinen Augen. Auch das werde ich nicht schaffen.
Wir kommen zu spät, der Zug ist fort, ich bin Schuld und mein Buch ist immer noch nicht verschickt.

Manche werden jetzt sagen: „Ach, positiv sehen!“. Stimmt. Jetzt habe ich mehr Platz im Zimmer. Da das Buch für 13 Euro verkauft wurde, ich zwei Euro an Amazon abdrücken muss und 7 Euro für das Päckchen bezahlen musste, habe ich ja immerhin noch 4 Euro Gewinn gemacht. Wenn man von den Spritkosten und dem Umstand absieht, dass das Buch neu war und andernorts für 18 Euro angeboten wird. In der Zwischenzeit wurde wieder ein Buch von mir gekauft. Hurra.





Wöchentlich grüßt der murmelnde Postmitarbeiter

28 11 2007

Mit Entsetzen schaue ich dem kommenden Tag entgegen: Ich muss zur Post.
Nicht weniger als ein Trauma habe ich als nettes Überbleibsel vom letzten Besuch. Eine Büchersendung war der Grund. Und eine Büchersendung treibt mich auch morgen in die Arme des gelben Nervengifts. Studenten wie ich verkaufen nämlich ihr letztes Hab und Gut (Bücher) auf Amazon.
Doch überzeugt euch selbst. Im Folgenden lest ihr den Bericht der armen – sowohl finanziell als auch schicksalstechnisch – Lysann K. aus D.

An einem eiskalten Novembernachmittag machte sich die ahnungslose Lysann K. auf den Weg zur Postfiliale D. Ihr Wunsch ist ein Luftpolsterumschlag, ausreichend frankiert, um ein Buch zu versenden. Sie stellt sich an. Sie wartet. Sie kommt dran. Marianne D. (Namen frei erfunden) empfängt sie kritisch. Was sie denn wolle. Einen gepolsterten Umschlag UND frankiert? Lysann K. wird in den Türbereich verwiesen, wo Umschläge zu finden seien. Lysann K. entgegnet, dass sie sich diese bereits zu Gemüte geführt habe, allerdings gibt es nur drei Umschläge in einem und sie benötige ja nur einen einzigen für das Buch. (Außerdem ist sie arm und die Post unverschämt – teuer.) Nein, hier gäbe es sowas nich, kontert Marianne D. Wieso nicht, will Lysann K. wissen. Ein Blick und dann ein Fingerzeig: „Da finden Sie die Umschläge. Sie müssen aber ein wenig größere als das Buch aussuchen, sonst passt das nich.“ Vielen Dank. Ich gehe wieder nach außen. Suche mir die passenden Umschläge aus. Vermeide, den Preis zu bemerken. Stelle mich wieder hinten an. Warte. Wieder Marianne D. Leicht zögernd. „Ja, bitte?“. Lysann K. verlangt betont freundlich passende Frankierung zu den nigelnagelneuen Umschlägen. Mit einem sehr breitem Lächeln. Marianne K. „Nee, ich verkauf keine Frankierungsmarken. Da müssen sie sich nebenan anstellen. Übrigens brauchen Sie für eine Büchersendung auch spezielle Klammern. Die finden Sie da hinten…“ Lysann K. versucht gelassen zu bleiben, ignoriert freundlich diesen aufmerksamen Rat und stellt sich nun bei der anderen Schlange an. Diesmal trägt Lysann K ihr Anliegen Brigitte D. vor. Wie alle Angestellten schaltet auch diese ab und muss alle Informationen nachher vereinzelt nachfragen. Notiz auf mentaler To-Do-Liste: „Ich muss gelassener werden!“. Kurze Zeit später hält Frau Lysann K. ein Buch, 2 Broschüren zur Postbank, 3 Umschläge und 4 fitzelkleine einzelne Briefmarken in der Hand. Geschafft. Doch die Freude sollte nicht lange währen.
Ich rüste mich für morgen mit Schokolade, innerem erhabenen Lächeln und drei riesigen Luftpolsterumschlägen – auch wenn ich nur ein großes Buch besitze, das ich nun verkaufe – und kehre zwei Euro reicher (denn größere Umschläge sind natürlich wegen dem Materialverbrauch dreifach so teuer) heim.