Drückend

25 07 2008

Vollkommene Ruhe im Krankenzimmer.
Weißt du noch damals, im Krankenhaus? Da war auch alles still und gedämpft, weiß reflektierend. So sieht wohl Heilung aus. Ein stiller, drückender Prozess. Man meint die Stille unterbrechen zu müssen, doch nichts durchdringt sie endgültig. Man schaltet den Fernseher ein – doch das Gezeigte erscheint so fern, wie das Freibadlachen vor dem Fenster. Man versucht nicht vor Schmerzen zu stöhnen, wenn man sich im Bett ein wenig dreht. Man konzentriert sich auf den Berührungsdruck von der Matratze auf den Körper. Die Temperatur. Die nicht vorhandenen Geräusche. Ab und zu schlürft jemand durch den Gang, verhallendes Gemurmel, alles vor der Tür, draussen. Bis man selbst dorthin gelangt ist alles leer – so langsam ist man plötzlich geworden. Man schaut auf die Uhr: Ist zu viel vergangen? Zu wenig? Jedesmal unsicherer, je mehr das Weiß einen einschließt. Bis auch die Träume sich im Krankenhaus abspielen und das gesamte Leben – das einem so unermesslich weit vorkommt, an so viele Orte anknüpft – in ein kleines stilles Zimmer passt. Wer jetzt vorbeikommt, der kommt zum ersten Mal. Diese Bedürftigkeit, die in der Berührung liegt, in jedem Blick. Manche melden sich von dort draussen, denken an dich in diesem kleinen, stillen Zimmer unter Millionen aufregenden, lebenden. Man klammert sich daran. Ruft sich in Erinnerung, hält es fest, kaut es immer und immer wieder hoch, um nicht zurückzusinken. “Ach ist das nett, dass der angerufen hat! Er klang ganz besorgt…Wie schön…Wir haben lange geredet. Es war so schön mit ihm zu reden…” Nur um zu überdecken, wer nicht angerufen hat. Wer nicht da war. Und wie lange schon. Irgendwann ist das Fröhlichste totgeredet und man fürchtet sich. Die Dämmerung zieht auf und man kann es nicht verhindern. Nicht entkommen einer weiteren Nacht. Dem röchelnden Schlaf, kratzend, unrhythmisch. Keine Nacht schläft man durch, keine erholsame Ruhe findet man in der Dunkelheit. Alles scheint noch langsamer zu gehen, dort wo man dachte, es sei nicht mehr möglich.
Man spürt, wie sich die Sekunde aufschwingt, drohend über einem hängt und erschöpft zur Seite kippt. Und die nächste Sekunde steht bevor.


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Eine Antwort

8 09 2008
Heike

Hallo,
denk nicht mehr zurück. Es ist eine Erfahrung.
Vergiß es nicht!
Aber nun schau nach vorn, du bist gesund und das zählt.
Tschüß!

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