Schlaflos = sprachlos?

29 02 2008

Mitten in der Nacht.
und ich kann nicht schlafen.

Links zu sehen: Kombination Schlaflos + Krank + Ich

Wenn man Germanys Next Topfmodel schaut, will man das Einkaufen um eine Woche verschieben und 20 spontane Sit-ups hinlegen. Gottseidank hält mich mein Kreislauf jetzt davon ab, der Blick auf sich selbst ist trotzdem kritischer. Sowas sollte es auch für die Jungs geben, damit nicht nur wir Mädels desillusoniert und wieder in die Grenzen der Normalsterblichschönen verwiesen werden. Ich bin mir sogar fast ein bischen sicher, dass alle Zuschauerinnen das nächste Mal länger vor dem Spiegel stehen werden.

Kann immer noch nicht schlafen.
Vielleicht kennt einer von euch den Tipp, dass der Duft von Vanille die Lust auf Süßes senkt und allgemein den Appetit dämpft. Ich denke jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um das mal zu klären: NEIN. Wenn ich an meiner Vanillekerze schnupper, denke ich an all die schönen Sachen, die mit Vanilleduft bereichert werden. Daher denke ich die ganze Zeit unterschwellig das Wort „Sahnecreme“. Nicht gut für potentielle Top-Models.

Ich hab mir überlegt, da auch mal mitzumachen. Allerdings erst mit 35, damit auch die anderen noch eine Chance haben. Außerdem wäre es sonst nichts Besonderes dort zu gewinnen. Bis 35 könnte ich es sogar schaffen ohne Diät so mager auszusehen. Ich denke in dem Alter habe ich dann sowieso kaum noch Nerven und Zeit um zu essen. Diät kommt sowieso nicht in Frage. Nur Abnehmen aus Faulheit (Aufzustehen, zu kochen, den Dosenöffner zu suchen, einkaufen zu gehen) ist moralisch richtig :) . Mit Sport halte ich es auch mehr sozial. Eine Lysann wird man nie alleine joggen sehen. Ich bin kein Hamster und renne nicht gerne ziellos durch die Gegend.
Die Größe hätte ich ja, laufen kann ich mitterweile auch auf hohen Absätzen, allerdings baue ich noch zu wenige grammatikalische Fehler in meine frenetischen Gemütsbekundungen ein, trage kein platinblond und meine Beine sind sicher nicht 115 cm lang. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Immer noch spät. Könnte doch endlich in ganz schön früh übergehen. Dann wäre ich nach langer Pause wieder Frühaufsteher. Student sein fühlt sich manchmal an wie saisonell bedingte Arbeitslosigkeit. Momentan habe ich jedoch damit zu tun, meinen Kopf zusammenzuhalten. Das Schmerzmittel macht mich zum freundlichen Nicker. Doch nur weil mir einfach nicht mehr schnell genug eine sarkatische Erwiderung einfällt. Und manchmal stehe ich 10 Minuten da, bis ich endich wieder weiß, was ich wollte. Irgendwie funktionieren also die Handlungsüberleitungen nicht mehr. Jaja ich werde alt. Meine 20 sieht man mir leider auch schon an und mein Haar sei dünner geworden. Alles nicht so leicht, kann ich euch sagen.

Was kann frau gegen solche nagenden Gedanken um 2 Uhr morgens machen? Alle Bikinis aprobieren und mit dem Handy Fotos davon machen, um endlich „objektiv“ sagen zu können, welcher der Beste ist? Habe ich schon gemacht. Bin aber immer noch nicht sicher. Einkaufen gehen fällt aus, also suchen, was sich alles noch zu Frustfutter umfunktionieren lässt. Rosinen mit Mandeln beispielsweise. Honig. Gauda. Alles geht, wenn man nur will. Doch das führt zu noch mehr Depression am nächsten Donnerstag. Lesen? Zu spät. Film schauen? Romantischen Film schauen? Nein, ich schlaf sonst gleich ein und hab wieder nur den halben Film im Kopf ohne ihn dann noch mal ganz anzuschauen. Am besten ich leg mich hin und warte.

Merke: Fiebriger Mittagsschlaf rächt sich immer!





Wunsch erfüllt

28 02 2008

Bittet so wird euch gegeben.

Wie wahr. Ich habe eine prächtige Mittelohrentzündung und darf jetzt offiziell rumliegen. Und was macht man am Besten, wenn das Schmerzmittel mehr den Verstand dämpft als die Schmerzen? Richtig, dann ist es Zeit, sich weiterzubilden im vielfältigen Bereich der Filme:

The Transporter 2 (nett)
Nach der Hochzeit (hervorragend)
Little miss sunshine (auch nett)
Disneyfilme (angenehm einlullend)
Der Pfad Gottes (oder so ähnlich, neutral)
Elementarteilchen (ergreifend)
Spongebob der Film (vernachlässigbar)
James Bond: die Welt ist nicht genug (nett)
Vermächtnis des geheimen Buches (erträglich)
Crank (sehr gut)
High fidelity (unberührend)
Switch reloaded (sehenswert)
Kalkofes Mattscheibe (ebenfalls sehenswert)

Alfie, Abbitte, Das Leben der anderen, die Töchter des chinesischen Gärtners, Closer, Prestige, FightClub, Sweeney Todd und the Fountain stehen noch aus. Für weitere Empfehlungen bin ich dankbar. Achja – nicht zu vergessen dass heute die neue Staffel von Germanys Next Topmodel beginnt. Und wer will sich den Spaß schon nehmen lassen? Meiner Meinung nach eine unterhaltsame Kombination von Ästhetik und Comedy.

Wer jetzt Angst hat, dass ich in die seichte Welt der Cuts und Cutes abdrifte, den kann ich beruhigen. Bin nun bis auf Seite 200 in Jungs Autobiographie vorgedrungen und kein Film hat es bisher geschafft, es mit der Brillianz seiner Gedanken aufzunehmen. Filme sind zwar nett, aber meinen Hunger nach Sinn und Verständnis können sie meist gar nicht oder nur bruchstückhaft befriedigen. Schade eigentlich. Aber ich glaube auch, dass beim Lesen mehr Platz für eigene Gedanken bleibt und daher das Gelesene besser ins eigene Gesamtkonzept integriert werden kann. Auch bei Audioratgebern habe ich das Problem, die vorgestellte These nicht komplett wiedergeben zu können.

Also auf, schnell frischen Salat anrichten, damit ich nachher schön gewissenfrei die Topmodels beim Rumstaksen kritisieren kann. :D





Funkstille

26 02 2008

Aaah! Ich sollte dringend etwas schreiben!

Links zu sehen: Ein blockierter Blogger fleht um Inspiration.

Ich weiß, ihr wartet sicher schon gespannt, aktualisiert zweimal täglich diese Seite und betet um einen neuen Eintrag. Und ehrlich: Ich habe schon fünf verschiedene Anfänge gehabt, doch es gibt einfach nichts zu erzählen.

Ich suche verzweifelt nach einem Thema, etwas Interessantem, mittlerweile darf es sogar teilweise lapidar sein, aber nichts! Wo in aller Welt sind nur die aufregenden Dinge in meinem Leben geblieben?

Normalerweise kann ich nicht einen Tag überstehen, ohne dass ich mir den Ellenbogen anstoße, ein Glas Wasser über den Laptop kippe oder das Ohr beim Schlafen breche. Ok, das alles ist mir auch passiert, aber nicht an einem Tag. Sondern schön über die Woche verteilt. Die alltäglichen Neckereien des Lebens eben.

Und wenn das Leben eben grad nichts in petto hat, lehne ich mich halt zurück und lese weiter, nämlich „Erinnerungen, Träume, Gedanken von C.G. Jung“. Bei dem passiert wenigstens was.





Es werde Blutmond!

20 02 2008

Spontaner Entschluss: Ich stehe morgen um 4 Uhr auf, denn ich will den Blutmond sehen.
Ein kleines Opfer, und ich hoffe der Wettergott bringt auch ein kleines Opfer und zieht die Wolkendecke kurz zurück. Ich finde Himmelsereigisse auf eine unbeschreibliche Weise sehr wichtig. Ich stelle mir vor, wie früher die Menschen die Natur als Propheten sah und fühle auch heute trotz Erklärungen eine innere Ehrfurcht, wenn ich diese Phänomene beobachte.

Auf einen blutroten Mond und eine nachdenkliche Tasse Tee am Fenster.

Anmerkung: Irgendwie sind die Wörter kürzer geworden. Beispielsweise „Fenster“. Warum hat es nur so wenig Buchstaben? Ich habe es als langes Wort im Gedächtnis und schaue dann immer, ob ich es nicht doch falsch geschrieben habe. Oder „Hamster“. Woran liegt das nur?





So irgendwo im irgendwann

19 02 2008

Dienstag…es gibt so einiges zu berichten, doch bin ich von keinem Thema richtig angetan. Und auf kurze Meldungen ohne Zusammenhang habe ich keine Lust. So müsst ihr euch mit diesem mageren Beitrag zufrieden geben – das Ergebnis meiner Abschaltphase. Und wahrlich, selten konnte ich so gut abschalten. Habe sogar die Stufe erreicht, in der ich eine Wand anschauen kann und 5 Sekunden lang das Wort „Wand“ in mir klingt. Kein Verkehrslärm in meinem Kopf. Stille auf der Gedankenautobahn. Das ist sehr erholsam und muss genutzt werden solange es geht.

Und das Beste überhaupt: Zeit zum Lesen! Als erstes war Ralf Isaus „Die Träume des Jonathan Jabbok“ dran. Ich lese es zum zweiten Mal, weil ich die guten Ideen in Erinnerung hatte. Der Schreibstil ist nicht erwähnenswert, manchmal sogar eine Spur zu grob. Die Geschichte zieht einen allerdings unerbittlich mit sich und weist originelle Einfälle auf. Jetzt heißt es wieder: Der erste und der letzte Griff gilt dem Buch. Morgens schmökern ist einfach Urlaub. Und ein hoher Stapel weiterer Lektüre wartet vielversprechend neben meinem Bett…

Am Rande: Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass ich eigentlich keinen Film mehr zu Ende schaue. Entweder er langweilt mich, er ist zu vorhersehbar oder in den meisten Fällen: Er wird noch trauriger. Wenn ich den Film schon kenne, halte ich an, bevor der Traummann die Hauptdarstellerin betrügt oder wenn ich spüre, dass jeden Moment der Tiefschlag kommt. Und ich kann mich nicht mehr dazu durchringen, sie weiter anzuschauen. Entweder ich vergesse sie oder ich suche Ausreden. Aber zu wissen, dass etwas noch schlimmer wird, hält mich vom Play-Button fern. Das Gleiche habe ich auch bei manchen Büchern. Als ob ich dadurch das Unglück anhalten könnte.
Ist das feige? Oder sollte man sich solchen Belastungen stellen?





Die weiße Magie Journalismus

10 02 2008

Ich lerne gerade. Prüfungsfach: Einführung in Journalistik und den Online-Journalismus.
Das ist auch ganz nett. Wenn mich Journalismus interessieren würde. Doch von Anfang an.
[Vorlesbar]

Ein Teil des Prüfungsstoffes ist beispielsweise die Frage, inwieweit es sinnvoll ist, Journalismus zu studieren. Ähem… Muss irgendjemand anderes seine Studienwahl auch erst auswendig lernen und dann in der Prüfung begründen? Das macht mich skeptisch.

Dann die Tatsache, dass ich die ganze Zeit hier lese, schreibe, lerne, was guten Journalismus ausmacht, was für ethische Vorstellungen ein Journalist hat und wie wichtig Journalismus ist.

Ich kann das ja alles nachvollziehen. Und ich kann es gerade so lernen. Aber innerlich sträubt es sich doch.
Ich bin nach Darmstadt gegangen, weil mich PR interessiert. Und PR wird auch irgendwann Teil des Stundenplans werden, aber erst sind wir alle – die Journalisten und die PRler – auf einer gemeinsamen Basis. Daher dieses Fach „für gegenseitiges Verständnis“.

Tatsache ist: Ich fühle mich wie ein schwarzer Magier, der sich durch das Geschleime der weißen Magie durcharbeiten muss, bevor er endlich Hand an die verbotenen, machtvollen Bücher legen darf. Wenn überhaupt. Es tut mir leid, dass ich kein große Verpflichtung der Bevölkerung gegenüber fühle, sie über die Machenschaften der Parteien aufzuklären. Ich bin einfach nicht Politik-interessiert. Ich schätze es, dass es Leute gibt, die das gerne machen. Aber ich gehöre definitiv nicht dazu. Und jetzt lese ich diese strahlenden Credos von Wahrhaftigkeit und Meinungspluralität, Unabhängigkeit und weißen Rittern der Freiheit – doch es ist einfach anstrengend – wenn nicht sogar giftig.

Was ist an der Wahrheit toll? Nicht jeder will sie hören, kaum einer teilt die des anderen und wenn jemand wirklich wahr schreiben will, kann er sich kaum einer Sache sicher sein. Klar, die Wahrheit ist notwendig, aber ab und zu kommmt es mir wie Geheuchel vor, diese Ideale, die Wahrheit verbreiten zu wollen und die Menschheit zu befreien. Alles ist Manipulation. Versuch mal eine Meldung zu schreiben ohne Kommentar – ich könnte daran verzweifeln.

Ich bin also kein negativer, desillusionierter Mensch, der der Wahrheit den Rücken zugewandt hat und sich nun den schwarzen Mächten verschrieben hat. Nein, ich liebe das Spiel der Beeinflußung, der Taktik, der unterschwelligen Botschaften. Ich schaue lieber Werbung als SternTV (jeder, der die Fernbedienung mal an mich verloren hat, weiß es nur zu gut) und nehme alle Werbeprospekte oder Flyer mit, die rumliegen. Eine Spielwiese, ein magisches Land der Worte und Verzauberung, ein ungebrochener Bann der Bilder…alles lernbar…alles vor unseren Augen….

Doch ich sitze hier vor der weißen Magie und lese immer wieder wie ich armen Blinden den rettenden Weg zeigen kann, wie man mit Aufrichtigkeit das Elend der Welt löst und das ist schlicht nicht mein Märchen.

Vielleicht habe ich einen kleinen Hang zur Gaunerei, zur List und Tücke, aber ich schätze eine kunstvolle, komplex aufgebaute Wahrheitsvertuschung höher als die plumpe Tatsache. Es ist eine Herausforderung an den Intellekt, an die Menschenkenntnis, die Fantasie….

Das musste mal gesagt werden. Jetzt kann ich friedlich weiterlernen und ich danke für die Aufmerksamkeit!





Seitenbänke

8 02 2008

Wer kann schon sagen wo die Zeit uns hinführt? Immer wieder gehen wir verloren, verschlucken uns an einer Welle oder tauchen unter – manchmal sogar für Jahre.

Wie alte Ankerketten ziehe ich meine Gedanken an die Oberfläche. Manche meiner negativen Gedanken trage ich schon länger als zehn Jahre. Mehr als die Hälfte meines Lebens unnötige, negative Gedanken. Bedenklich. Ich versuche sie zu lösen, sie aufzuschweißen, loszuhämmern, mich freizureden und zerre immer wieder an ihnen. Die Fußfesseln des Verstandes die uns im Gefühlsmeer verankern… Alte Gedankenstrukturen wird man nur sehr schwer los.

Mein Lieblingsspruch ist von Diane Arbus: „Die Welt ist voller fiktiver Charaktere, die nach ihren Geschichten suchen“.
Doch wählt man immer sein Lebensgefühl? Wie viel lässt sich ändern?

Alle kämpfen sie sich durch das Leben. Man sieht im Kampf auf, schaut zu Seite, wie kommt jener voran?, wie macht er das? und was kommt da auf uns zu? Manchmal habe ich das Gefühl, es ist ein ewiges Schlachtfeld um den Sinn. Für den Sinn kämpfen wir, jeder gegen seinen eigenen Gegner. Die Verzweiflung oft nicht zu wissen, wohin es geht, alle schreien uns ihre widersprüchlichen Erfahrungen zu, doch wir wissen nicht weiter, wissen nicht wohin es geht, warten einfach auf die Küste oder lassen uns treiben.

Wenn man wieder ein Stück mehr von sich selbst erkennt, sieht man: Alles wiederholt sich in sich selbst. Wie ein uralter Gedanke sich immer wieder neugebiert, sich in unserem Leben ausdrückt, gelöst werden will, meist jedoch weitergeschoben wird ins nächste Jahr.

Ich sitze auf einer Seitenbank der Zeit und schaue dem fließenden Leben zu. Der Fluß offenbart wenig, funkelt wunderschön in der Sonne, lockt uns bis man sich wieder hineinstürzt, egal wie sehr man den Sog verflucht hat und sich die Trockenheit gewünscht.





Zehnspurige, italienische Gedankenautobahnen

5 02 2008

Kennt ihr das?
Plötzlich sitzt ihr mit sechs angefangen Aufgaben da und habt den Überblick verloren.

Bei mir passiert das sehr leicht. Es fängt an, dass ich:

einen Text übersetze (a)
und nebenbei interessante Bücher aus dem Online-Büchereikatalog heraussuche (b)
beim Text übersetzen (a) dann ein Wort nachschlagen muss –> Leo (c)
dabei auf ein andere Wort stoße, dass ich zuvor (!) schon im Etymologielexikon nachschlagen wollte und jetzt darin weitersuche (d)
aber dann kommt mein Mitbewohner herein und will Einkaufen gehen (e)
weil er aber noch ein wenig Zeit brauchte, um sich umzuziehen, habe ich noch nach Bildern aus dem Film „The Mummy Returns“ geschaut (f), da mir dort die Frauenkampfszene sehr gut gefällt.
Jetzt komme ich vom Einkaufen zurück und beantworte eine Mail von einer Freundin (g)
aber nicht ohne zuvor nach dem Lied gesucht zu haben, dass mir im Auto auf dem Weg zum Einkaufen so gut gefallen hat, nämlich „Don’t talk just kiss“ von Right Said Fred (h)
und ändere danach die von meiner Freundin angesprochene Stelle (g) in meinem Blog (i)
und überlege ob ich allgemein den Aufbau ändern sollte und google nach Ideen (j)
und beim Essen nebenher von Datteln sehe ich wieder das nachgeschlagene Wort (c) erinnere mich wieder an die Etymologie (d) und frage mich, was ich eigentlich bevor all diese Zwischeneinfälle kamen eigentlich machen wollte.

Jedenfalls erklärt dies das Phänomen, dass ich abundzu bis zu 10 Tabs offen habe, vier offene Bücher um mich herum gestapelt, mehrere Notizettel in verschiedenen Stadien an allen möglichen Stellen kleben habe und zwischendrin verstreut Tee und Litschis stehen. Nicht zu vergessen, den Einkaufskorb (k), die noch offene Frage, ob ich mir was kochen soll (m) und mein Mitbewohner, der mir die Rechnung gibt, die ich bitte überweisen soll (n).

Ok, das sind keine sechs offenen Aufgaben, die ich gerade auf meiner zehnspurigen, italienischen Gedankenautobahn zu koordinieren versuche – das sind „n“ – also 14 + momentan Blog schreiben.

Aber um ehrlich zu sein: Wenn ich nur eine Aufgabe hätte, würde ich sie nicht machen, weil es mir zu langweilig wäre…





Und wenn

1 02 2008

Und wenn das Rad sich wendet
spürst du wie alles dreht
das Gute leise endet
die Hoffnung still vergeht.

Die Farbe Grau kippt über
das Licht in matt getaucht
sehn wir zum Land hinüber
die Sehnsucht aufgebraucht.





Eisenhelme im Februar

1 02 2008

Ich war wieder am Blättern durch mein Herkunftswörterbuch als ich auf den Isegrim stieß.
Isegrim?
War das nicht der Wolf?
Man trifft ihn heutzutage wohl öfter in den Kreuzworträtseln als in den Märchenbüchern.

Seit dem 10. Jahrhundert ist Isangrim ein Männername, der so viel heißt wie „Eisenhelm“. Der Namensteil „grim“ wird hier noch als Helm oder Maske verstanden, was man auch am Wort „Grimasse“ sehen kann. Die Zeit kam und ging und aus dem Mann Isangrim (hört sich stark nach einem Zwerg aus Terry Pratchetts Scheibenweltromanen an) wurde der Märchenwolf Isegrim. Der ist schon eine Spur ‘grimmiger’ – vielleicht weil die Gebrüder Grimm ihre Hände ihm Spiel hatten.

Hm, ganz nett, denke ich. Doch wo ist sein viel beeindruckenderer Freund der Fuchs Reineke? Ich kann mich noch erinnern, dass ich seinen Volksnamen „Reineke“ als erstes von meinem alten Physiklehrer zu hören bekam. Wie es dazu kam ist mir auch rätselhaft. Jedenfalls findet man Reineke so nicht im Herkunftswörterbuch. Dabei war er mein großes Vorbild in jungen Jahren: In den verzwicktesten Lagen sich mit Wörtern den Weg freizukämpfen und dann besser als zuvor aus der Geschichte herauszugehen – das kann und lehrt Reineke. Und wäre ich klüger gewesen, hätte ich schon damals seine gewieften Reden und Tricks analysiert und auswendig gelernt. Man trifft nicht oft einen Meister.

Also führt die Reise zu Wikipedia, wo es anscheinend für alles Experten gibt. Ich versuche mich nicht mehr zu wundern und tue es doch immer wieder. In Wikipedia findet man ganz sicher einen Menschen, der die Geschichte der Streichholzschachtel exakt nachverfolgt hat, auf die Schachtelgestaltung derart eingeht, dass selbst noch Kunstlehrer davon inspiriert werden könnten und alle Stellen aus der Literatur, in der auch nur ein Streichholzschächtelchen zu Boden fällt, zitieren kann. Eine Schatzgrube. So habe ich auch diesmal Glück und finde einen ausserordentlich lesenswerten Artikel zum Reineke Fuchs.

Jetzt weiß ich wirklich alles über ihn. Doch bin ich so gefüllt mit Details, dass ich nicht weiß, wie ich es am Besten wiedergeben soll. Es sei hier nur gesagt, dass der Name Reineke aus der Komposition aus regin- (=Rat) und -hart (=stark, kühn) besteht. Wer den Text liest, wird wissen, was ein Malepartus ist, warum ein Illustrator Hand in Hand mit dem verkleideten Cotta’schen Verlagsgreifen spazieren geht und wieso der gerissene Fuchs sowohl Goethe als auch Aesop beschäftigt hat.

Zurück zum Buch. Vielleicht finde ich ja unter Fuchs noch etwas interessantes? Und hier bemerke ich, dass mein Gedächtnis wirklich sensationsbedürftig ist. Ich habe den Artikel verschwommen in Erinnerung, doch steht dick mein Fazit „enttäuschend“ darunter. Dabei ist der Artikel recht ausführlich und behandelt sogar die Bezeichnung als Reineke. Wahrscheinlich hatte ich damals einfach eine große Geschichte erwartet anstatt der lapidaren Erklärung, dass „Fuchs“ „der Geschwänzte“ bedeutet. Der Geschwänzte – wird das dem Bild von einem Meister des Wortes und der feingesponnenen List gerecht? Ich finde nicht. Aber womöglich schätzt man den Fuchs auch nicht so sehr, wenn er ständig das Mittagessen mopst. (‘Sich mopsen’ steht für sich langweilen, bzw. sich ärgern und wer möpselt, der riecht muffig. Was man alles lernen kann, wenn man sich bei der Anzahl der „P“s nicht sicher ist…)

Zum Abschluss schaue ich noch, wenn ich schon beim eher unauffälligen, aber netten Buchstaben F bin, beim Februar vorbei. Bin ich eigentlich allein mit meiner Angewohnheit, den Buchstaben und Zahlen irgendwelche Eigenschaften zuzuordnen? Ich finde M einfach sehr sympathisch. Doch der Februar enthält kein M, dafür eine nette Hintergrundgeschichte. Bis zum 16. Jahrhundert hieß der zweite Monat des Jahres Hornung oder Sporkel. Sporkel gefällt mir wirklich, viel besser als die strikte Durchnummerierung der Römer besonders gegen Ende des Jahres.

Februar ist ein Reinigungsmonat, im altrömischen Jahreskalender der letzte Monat vor dem Beginn des neuen Jahres, das die Iden des Märzes mit sich bringt, die Sylvesterparties der Römer. Und hier muss ich sagen, haben die Römer mal wieder ihren Sinn fürs Praktische bewiesen: Klar, dass jeder Aufräumen will und angestaute Erinnerungen entrümpelt, um Platz für das neue Jahr zu schaffen. Doch wer schon mal die zwei Stunden „Helligkeit“ zum Dachbodenaufräumen nutzen wollte, sich unter lebensfeindlichen Bedingungen mit mehr als nur Rückenwind mit seinem Altpapierkorb zum Container durchkämpfen musste, der wüsste den Februar als Bilanzmonat mit Reinigungswirkung zu schätzen. Nochzumal dann sowieso wieder Frühjahrsputz ansteht. Bei der anschließenden großen Neujahrsfeier würde man sich zudem nicht die Handschuhe versauen, beim Versuch, die Sylvesterböller vom gefrorenen, heiligen Schwabenländleboden zu entfernen.