„Hätten wir hier nicht rechts gemusst?“

30 11 2007

So eine Lysann, die braucht ein bischen Verwirrung, ein bischen Veränderung in ihrem Leben. Und wie erzeugt man Verwirrung? Genau. Man biegt links ab, wo man immer rechts abgebogen ist.

Der neue Sport: Verfahren

Ich habe die Philosophie des Verfahrens für mich entdeckt. Es mag zum Teil daran liegen, dass das flachbrüstige Hessen (bzw. Darmstadt) keine guten Kurven bietet. Zum anderen auch daran, dass man Abkürzungen finden möchte – die altbekannte Suche nach dem Besseren. Doch der eigentliche Reiz liegt darin, einmal später abzubiegen und auf der anderen Seite der Stadt herauszukommen, ohne es sich geographisch erklären zu können.
Eine ungeahnte Freude! Neue Stadtteile gibt es zu entdecken, mit ihren Naturparks, Verkehrsführungen (oder Entführungen) und Geheimrestaurants. Und dann die Erleichterung endlich etwas wiederzuerkennen. Der Stolz zu wissen, wohin dies Abbiegung führt, an der ich sonst immer vorbei fahre. Einfach der Reiz des Entdeckens. Im Zeitalter der ausgemalten Weltatlasse – weiße Flecken sind verpönt – im Zeitalter der googlemaps und des Navi gönne ich mir die Freiheit, nicht zu wissen, wo es langgeht. Wie sonst findet man die besten Parkplätze? Das fast vergessene Schlösschen mitten im Wohgebiet?

So spreche ich ein Plädoyer fürs Verfahren aus: Schaltet die Navis aus, zerreist die Straßenkarten und überlasst euch eurem Orientierungsgefühl (und wer keins hat, wird wohl ein kontaktfreudiger Mensch werden). Denn wie sagte einst so schön Goethe? „Entdecke die Möglichkeiten!“
Ach nein, das war Ikea :D





Eine Hommage

29 11 2007

Ich möchte auf diesem Wege einer kleinen Person zu Ruhm verhelfen. Naja klein ist sie nicht, nur meine kleine Schwester und auch meine Hilfe zum Ruhm hat sie wahrlich nicht nötig. Doch möchte ich euch an drei Dingen zeigen, was sie zu „meiner Kleinen“ macht:

1. Dass sie sich immer so verhält, als ob sie die Ältere von uns beiden ist. Manchmal glaube ich es ihr sogar. Anbei bemerkt, es liegen 6 Jahre zwischen uns. Ob sie mich beim Einkaufen fragt, ob ich auch wirklich an alles gedacht habe oder beim Autofahren sagt „Ras nicht so“, ob sie meinen Lieblings-Lidl-Verkäufer in Hörweite runtermacht „Wie der dich wieder angelächelt hat! “ oder mich in den seltamsten Situationen stärkt – meine Schwester ist wirklich mit allen Wassern gewaschen.

2. Sie gehört eindeutig zur Familie. Sie ist aufbrausend, und kann doch durch ihr unschuldiges Lächeln jeden rumkriegen. Sie verhandelt gerne. Wenn wir Schokolade essen, bekommt jeder eine Tafel. Anders gibts nur Krieg. Und Krieg gibt es häufig, denn bei uns wird viel gestritten, manchmal auch bis aufs Blut. Doch sind wir sind uns einig, wenn es darum geht, den Gegner niederzumachen.

3. Wir sind zwei Showqueens. Wenn wir gemeinsam Bollywoodfilme schauen, geht ein wahres Feuerwerk an Mitgefühl, Mitsingen oder ironischen Zwischenkommentaren über die Bühne. Außer sie schnappt sich mal wieder das letzte Schokobonbon – doch trotzdem: Mit niemand anderem macht Fernsehschauen soviel Spaß.

Also Janet, meine gaanz, ganz Kleine (ich weiß, das ärgert dich), ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag!!
Du weißt, ich bin da für dich und wenn es hart auf hart kommt, dann kommst du mal zu mir zum Urlaub machen.

So, und jetzt bist du ein bischen berühmt ;)





Himmelarschundzwirn! Diese verdammte Post!

29 11 2007

Ich bin auf dem Pfad des Todes. Jemand wird dran glauben müssen. Und was ist der Grund?
Meine persönliche Hölle namens Post.

Wie in dem Beitrag „Wöchentlich grüßt der murmelnde Postmitarbeiter“ angekündigt, begab ich mich heute ins Zentrum des Schreckens: Die Post von Dieburg.
Ich ließ mich nicht abschrecken, ging direkt zu den Umschlägen und suchte den passenden aus, stellte mich an und erblickte SIE. Direkt vor mir schloß der Schalter mit der liebenswürdigen Brünetten und SIE öffnete ihre Pforten. Ein Blick und wir beide wussten: Das würde nicht gut ausgehen. Ich habe es eilig, muss eine Freundin rechtzeitig zum Bahnhof bringen. SIE hat alle Zeit der Welt.

Doch ich bin Optimist, trage mein Anliegen vor, zeige ihr den Umschlag mit dem Buch und dass ich gern den Umschlag bez— SIE dreht sich um. In aller Ruhe stempelt sie Pakete und stapelt Kisten. Ähm, Entschuldigung? Ein Blick auf mich und der Entschluß in ihren Augen: „Die kann noch warten“. SIE auch bekannt unter dem Namen Marianne D. (Neu-Taufung meinerseits) bemerkt, dass es leider sonst nichts mehr zu tun gibt und kehrt zurück. Freundlich wie immer. „Dat geht nich“. Wie das geht nicht? Das ist eine verdammte Buchsendung, was soll da nicht gehen? Sie überwindet sich zu einer Antwort: „Na, Buchsendung kann ich nich Briefmarken geben. Geht nich.“ Ja, aber warum?? „Ja, gibt so’nen Code. Muss ich direkt drucken.“ Wo ist das Problem? Liegt doch vor ihr, soll sie’s draufkleben, draufstempelt oder sonstwas, Hauptsache weg! Ein Gedanke braut sich zusammen, ihre Stirn zeigt es deutlich. „Warten’s mal. Na dat wiegt doch zuviel. Gebens mal her. So. Mehr als’n Kilo. Päckchen.“ So, da hab ich’s. Was muss der Kunde auch so doof nachfragen? Jetzt bin ich offiziell zum Geldbeutelleeren verurteilt. Umschlag (zu klein) und Päckchenversand – das macht 7 Euro. Und an diesem Punkt bin ich bereit, als liebes, nettes Mädchen, das nur Gutes will, dieser Angestellten „eins in die Fresse zu schlagen“. Meine Gewaltbereitschaft ergießt sich in Gewaltphantasien, ich plane Boykottaktionen, zerfetze Versandtaschen und sie sitzt mittendrin als Geisel. Aber ich hab es ja eilig. Wann anders.

Ich renne zum Auto samt Buch in Quetschverpackung, einem weiteren Umschlag (wieder das alte Problem, dass man mehrere kaufen muss), Päckchenzettel zum Ausfüllen, Quittung und – irgendwie haben sie sich wieder eingeschlichen – zwei Prospekte für ein Postbankkonto. Wie eine Blöde rase ich zum Hauptbahnhof, doch davor muss ich durch den Dieburger Wald (endlos) und ganz Darmstadt (endloser). Bei der sechsten roten Ampel steht das Wort „scheitern“ klar vor meinen Augen. Auch das werde ich nicht schaffen.
Wir kommen zu spät, der Zug ist fort, ich bin Schuld und mein Buch ist immer noch nicht verschickt.

Manche werden jetzt sagen: „Ach, positiv sehen!“. Stimmt. Jetzt habe ich mehr Platz im Zimmer. Da das Buch für 13 Euro verkauft wurde, ich zwei Euro an Amazon abdrücken muss und 7 Euro für das Päckchen bezahlen musste, habe ich ja immerhin noch 4 Euro Gewinn gemacht. Wenn man von den Spritkosten und dem Umstand absieht, dass das Buch neu war und andernorts für 18 Euro angeboten wird. In der Zwischenzeit wurde wieder ein Buch von mir gekauft. Hurra.





Wöchentlich grüßt der murmelnde Postmitarbeiter

28 11 2007

Mit Entsetzen schaue ich dem kommenden Tag entgegen: Ich muss zur Post.
Nicht weniger als ein Trauma habe ich als nettes Überbleibsel vom letzten Besuch. Eine Büchersendung war der Grund. Und eine Büchersendung treibt mich auch morgen in die Arme des gelben Nervengifts. Studenten wie ich verkaufen nämlich ihr letztes Hab und Gut (Bücher) auf Amazon.
Doch überzeugt euch selbst. Im Folgenden lest ihr den Bericht der armen – sowohl finanziell als auch schicksalstechnisch – Lysann K. aus D.

An einem eiskalten Novembernachmittag machte sich die ahnungslose Lysann K. auf den Weg zur Postfiliale D. Ihr Wunsch ist ein Luftpolsterumschlag, ausreichend frankiert, um ein Buch zu versenden. Sie stellt sich an. Sie wartet. Sie kommt dran. Marianne D. (Namen frei erfunden) empfängt sie kritisch. Was sie denn wolle. Einen gepolsterten Umschlag UND frankiert? Lysann K. wird in den Türbereich verwiesen, wo Umschläge zu finden seien. Lysann K. entgegnet, dass sie sich diese bereits zu Gemüte geführt habe, allerdings gibt es nur drei Umschläge in einem und sie benötige ja nur einen einzigen für das Buch. (Außerdem ist sie arm und die Post unverschämt – teuer.) Nein, hier gäbe es sowas nich, kontert Marianne D. Wieso nicht, will Lysann K. wissen. Ein Blick und dann ein Fingerzeig: „Da finden Sie die Umschläge. Sie müssen aber ein wenig größere als das Buch aussuchen, sonst passt das nich.“ Vielen Dank. Ich gehe wieder nach außen. Suche mir die passenden Umschläge aus. Vermeide, den Preis zu bemerken. Stelle mich wieder hinten an. Warte. Wieder Marianne D. Leicht zögernd. „Ja, bitte?“. Lysann K. verlangt betont freundlich passende Frankierung zu den nigelnagelneuen Umschlägen. Mit einem sehr breitem Lächeln. Marianne K. „Nee, ich verkauf keine Frankierungsmarken. Da müssen sie sich nebenan anstellen. Übrigens brauchen Sie für eine Büchersendung auch spezielle Klammern. Die finden Sie da hinten…“ Lysann K. versucht gelassen zu bleiben, ignoriert freundlich diesen aufmerksamen Rat und stellt sich nun bei der anderen Schlange an. Diesmal trägt Lysann K ihr Anliegen Brigitte D. vor. Wie alle Angestellten schaltet auch diese ab und muss alle Informationen nachher vereinzelt nachfragen. Notiz auf mentaler To-Do-Liste: „Ich muss gelassener werden!“. Kurze Zeit später hält Frau Lysann K. ein Buch, 2 Broschüren zur Postbank, 3 Umschläge und 4 fitzelkleine einzelne Briefmarken in der Hand. Geschafft. Doch die Freude sollte nicht lange währen.
Ich rüste mich für morgen mit Schokolade, innerem erhabenen Lächeln und drei riesigen Luftpolsterumschlägen – auch wenn ich nur ein großes Buch besitze, das ich nun verkaufe – und kehre zwei Euro reicher (denn größere Umschläge sind natürlich wegen dem Materialverbrauch dreifach so teuer) heim.





Heimfahrt

27 11 2007

Landschaften fliegen vorbei, Fragen entstehen. Es regnet in Darmstadt. Doch ich fahre nach Hause. Nach Hause in die größte Weinbaugemeinde Baden-Württembergs.

Die Autobahn ist ein einziger grauer Gedankenfaden. Es würde mich nicht wundern, wenn ich die richtige Ausfahrt verpassen würde und irgendwann bei München merke, dass ich mich nicht mehr auskenne.
Ich habe Sehnsucht nach meiner Landschaft. Wer hätte gedacht, dass ich sie so tief im mir aufnehmen würde, dass sie ein Teil von mir wurde?

Nach dem Autobahneinerlei kommt das Burgenland. Der Weg von Sinsheim nach Eppingen windet sich um Wälder, Ruinenhügel und schlichte Felder. Es ist anders als in „der Stadt“: Autos sind individuell. Tiere am Straßenrand lebendig. Nächte verträumt. Die Tage ruhen gemächlicher auf der breiten Landschaft.

Dann das letzte Tor zu meiner Heimat: Der Eppinger Wald. Düster in der Höhe, Nebel steigt aus den Wipfeln auf. Goldene Baumspitzen leuchten vereinzelt. Sobald ich eintauche, flackert Feuer an beiden Seiten empor. Laub-Lava schlängelt sich mit der Straße den Wald hinauf.

Und dann erst gibt die Landschaft den Blick frei: Weinberge. Ringsherum braun, knorrige Weinstrunke aufgefächert.
Unten kann man das Dorf sehen. Sacht führt die Landschaft den Blick auf der anderen Seite wieder hinauf, zur nächsten Hügelkuppe.
Manchmal ist es, als ob die Hügel den Blick aufspannen, die Seele wie ein Tuch über die Täler ausbreiten und der Wind darunter hindurchstreicht. Eine innere Weite.





Illustration

19 11 2007

Alberto Baruffi





Alte Straßen

18 11 2007

Es ist alles eine Hülle. Eine Haut. Bestandteil eines größeren Körpers. Als ob beim Einatmen, alles einatmet – die Bäume, die Häuser, das Licht. Und wieder ausatmet, Spannung verliert, zusammensinkt. Und erneut nach Luft und Leben drängt.
Meine Umgebung, die Stadt in der ich nun solange Erinnerungen gemacht und sie an verschiedenste Orte geknüpft habe – diese Stadt ist nun am Ende angelangt. Ich bin überall dorthin gefahren, wo ich dachte, dass ich mich finden könnte. Und alles was ich sah, war totenstill. Das Pulsieren der Lebensadern hat diese Wege irgendwann verlassen und sich einen neuen Weg woanders gesucht. An sich keine ungewöhnliche Sache. Wenn ich nicht mitten in dieser leblosen Haut stecken würde.
Es ist alles anders heute, wenn ich durch die Stadt gehe. Leute, die diese Stadt ausmachten, haben sie verlassen. Ich habe sie verlassen.
Das Leben ist weg, nicht das Bild, und das ist wohl der schmerzhafteste Teil, den es zu Verstehen gibt.

*Anmerkung: Diese Gedanken stammen vom letzten Jahr, doch ich lasse sie hier noch einmal aufleben.





Breit angelegte Ausbildung

12 11 2007

Früher dachte ich, die „dreckigen“ Recherchemethoden wären eine Seltenheit im journalistischen Alltag, ja, sogar eine Übertreibung des Fernsehens. Doch nun studiere ich Journalismus und was wir lernen, kann sich sehen lassen:
Ganz oben stehen effiziente Bestechungstechniken. Gerade im Hinblick auf die sinkenden Budgets ist es von Vorteil, möglichst niedrige Schmiergelder schnell auszuhandeln. Geübt wird auf dem Flohmarkt (nach Erfahrung sind besonders die Darmstädter Flohmarkthändler extrem stur).
Ebenso wertvoll für den späteren Berufsalltag: der Kurs „unorthodoxe Informationsrecherche“. Er hat die Erpressung und diverse Verhörtechniken zum Inhalt. Der Umgang mit Elektroschocks, Lügendetektoren, Schlafentzug oder Erniedrigung werden in speziell bereitgestellten Räumen immer und immer wieder eingeübt bis jeder quälende, wahrheitsbringende Griff sitzt. Auch hier wird Wert auf die Praxis gelegt: Jeder Student wird dazu angehalten, wichtige Informationen aus Dozenten herauszupressen, sie mental angreifbar zu machen und in Horden „weich“ zu fragen. Bis sie endlich verraten was wie wo bis wann gelernt werden muss.
Sollte der Informant trotzdem nicht gewillt sein, dem Journalisten die dringend benötigte Information auszuhändigen, so lohnt sich vielleicht ein kleiner Ausflug in dessen Wohnung. Auch hierauf ist der moderne Journalismusstudent vorbereitet: Der Unterricht gliedert sich in Materialkunde und Geschicklichkeitsveranstaltungen und wird durch Schulungen zu den neuesten Alarmsystemen ergänzt.
Der Informant wusste leider doch nichts, so wie er es kurz vor dem Zusammenbruch beteuert hat? Macht nichts. Dann kommt jetzt Schritt drei. Auch dieser wird sorgfältig geübt und analysiert, um die Studenten beim Berufsstart nicht ins kalte Wasser zu werfen. Die Rede ist vom Einschleusen. Nichts geht über diese alte, beliebte Variante, um Misstände aufzudecken. Wer ein großer Journalist sein will, sollte es zumindest einmal ausprobiert haben. Eine neue Frisur, viel Selbstvertrauen und Menschenkenntnis und fertig ist er: Der neue Mitarbeiter. Für diese Meisterleistung, dem wahren Abschlusstest, werden jahrelang Schauspielunterricht und Make-up-Kurse belegt. Um auch hier den Praxisanteil zu erhöhen, bemühen sich die Dozenten Aufgaben zu stellen, die die betrügerischen Fähigkeiten, schnellen Anpassungsreaktionen und das sympathische Nichtsdahersagen von Studenten verbessern.

Letzten Endes ist jedoch alles eine Frage der Persönlichkeit, für welche Methode man sich entscheidet. Kaum jedem wird es gefallen, den zu Verhörenden körperlich näher zu kommen, während andere die Bedienung elektrischer Geräte und Eisenwaren (Daumenschrauben) scheuen.
Die fundierte Rechercheausbildung wird jedem später einmal von Nutzen sein. Ich unterstütze diese sinnvolle Verwendung unserer Studiengelder.





Liebe Leser!

7 11 2007

Nun bin ich schon seit 21 Tagen stolzer Besitzer eines Blogs.
Egal ob es um die Gestaltung der Seite, der Randleiste oder der Blogthemen selbst geht – ich habe einiges ausprobiert, reingewurschtelt und wieder rausgeschmissen. Am Ende müsst ihr aber meine Texte lesen! ;)
Deswegen schreibt mir bitte, was für euch noch umständlich ist, ob ihr die Links überhaupt erkennen könnt (ich würde sie gerne unterstreichen, das geht aber leider nicht) oder ob die Hintergundfarbe bei euch ein totes Grau ist und beim Lesen nervt. Ja, auch ihr meine liebe, liebe Familie! Kommentieren geht wirklich leicht, traut euch, damit ich was lernen kann! :)

Danke, dass ihr alle so fleißig mitlest





Wilde Stöckchenwerfer

2 11 2007

Durch die Aufmerksamkeit eines gewissen Herrn Artemis Fowl alias Florian Siebeck bin ich in den Besitz eines besonderen „Stöckchens“ gekommen:
Ein Stöckchen. Jeder Spieler, jede Spielerin beschreibt acht Dinge von sich: Irgendwelche, keine bestimmten. Wen das Stöckchen trifft, schreibt die Antworten mit den Regeln in sein Blog. Acht Personen/Blogs sollen das Stöckchen bekommen und weiterreichen. Bei den Betreffenden schreibt man einen entsprechenden Beitrag/Kommentar ins Blog.

Ich habe mich sehr darüber gefreut, mit einem Stöckchen beworfen worden zu sein. So stellt man sich doch Freundschaft vor ;) . Aber es hilft alles nichts, hier sind die geforderten acht Enthüllungen:

1. Ich habe schon als kleines Mädchen auf melancholische Walzer gestanden. Warum auch immer und bei was auch immer – ich war stets zutiefst gerührt und weiß noch heute, dass ich den Schneewalzer früher stundenlang singen konnte. Lieder wie „Es war beim bal paré“ von Hildegard Knef oder französische Chansons wie „C’etait la dernière walse“ von Mireille Mathieu laufen auch heute noch stundenlang im Player – ohne Erbarmen.
Ein kleines Mädchen, dass inbrüstig ein Lied intoniert, in dem eine alte Frau ihrer Jugend oder Liebe nachtrauert – das muss ein Anblick gewesen sein.

2. Ich kann keine Missionare leiden. All diese Leute, die einem ihren Glauben oder ihre Moral/ politische Einstellung/ Weltsicht aufzwingen wollen. Jeder sollte so leben können wie es ihm gut tut, denn die meisten Lebensansichten haben ihre Gründe. Wenn man diese missachtet oder als dumm hinstellt, degradiert man auch den Menschen.

3. Ich liebe es, mich zu verkleiden. Ob es um Kleidung geht oder Verhalten – in andere Rollen schlüpfen macht mir sehr viel Spaß und dabei verändert sich auch der Blick auf die Welt. (Andere nennen es wohl Realitätsflucht, aber es ist gar nicht so einfach immer mit sich selbst zusammen zu sein. Man muss auch Abwechslung in eine schizophrene Beziehung bringen.)

4. Mein großer Traum ist es, ein Buch zu schreiben. Und zwar nicht seit Kurzem sondern seit ich mit acht Jahren das Buch „Wir Kinder von Bullerbü“ und „Immer dieser Michel“ von Astrid Lindgren gelesen habe. Es hat mich tief beeindruckt, dass Bücher so lebendig sein können, dass man am liebsten auch dort wäre. Da dachte ich „Schriftsteller, das sind Menschen, die das Leben anderer Menschen verschönern und verändern können“. Für mich ist dies auch eine besonders sanfte Art der Kommunikation.

5. Ich mag die Zahl 5. Sie ist die Einfachste in der Welt der Mathematik. Man sieht sofort, ob etwas durch 5 teilbar ist. Auch ist es für mich der Inbegriff der Harmonie. Die Zahl 2 für die geraden Dinge kombiniert mit der 3, für die Welt der ungeliebten, ungeraden Zahlen. 5 Finger an den Händen, die soviel verraten beim Sprechen. 5 Dinge zusammen sehen immer gut aus. 5 kann man nicht an einem Stück als Zahl schreiben. Man denke auch an das Pentagon, das fünte Element (der Geist), den Innenverteidiger beim Fußball oder einfach den Monat Mai, in dem ich geboren bin.

6. Schaukelstühle. Es ist einfach das Schönste für mich auf einem Stuhl zu kippeln, auf der Schaukel hin und her zu schwingen oder auf einem Schaukelstuhl zu wippen und nachzudenken.

7. Regen, Lesen und Tee. Das ist die heilige Dreier-Kombination.
Das Höchste der Gefühle ist erreicht, wenn der Herbst endlich wieder da ist. Es ist leider so eine kurze Übergangszeit. Man will die letzen Sonnenstrahlen förmlich in sich aufsaugen, die flammenden Bäume in sich einbrennen.Wind zieht an den Haaren und Blätterwirbel streichen über die Straße. Dann mehren sich die Laubhaufen, so dass man sich durchwühlen muss um durchzukommen und letztendlich, der peitschende Regen der alles in Nässe hüllt. Es gibt keine heiligere Zeit um in Büchern zu versinken, den dampfenden Tee neben sich zu schnuppern und sich tiefer in die Kuscheldecke zu huscheln, während draussen der Regen wütet.

8. Und jetzt fehlt nur noch eine letzte Sache über mich und die Forderungen sind erfüllt: Ich beobachte gerne.

Hoffentlich habe ich jetzt niemanden verwirrt, oder gar zum Nachdenken gezwungen (den man ist ja zur Unterhaltung da…). Und um diese wunderbare Art der Selbstreflexion nicht für mich zu behalten, muss ich natürlich das Stöckchen weiterwerfen: Nämlich an Alex, Kathrin, Oma!, Patrick, Rebecca, Sebastian, Anke und Birte. Aber keinen Druck! Schließlich dient es ja in erster Linie euch selbst und dem Leser und in Ankes Blog wird es wohl thematisch schwer reinpassen. Auf jeden Fall solltet ihr die Links nutzen, um mal bei ihnen reinzuschauen. Prädikat: Lesenswert :)