Härter

9 05 2008

Scharfe Kälte schnitt durch sein Fleisch, drang in die feuchte Wärme seines Magens ein, zerriss sein Innerstes. Die Augen erstaunt auf den Krieger gerichtet, sackte er zusammen, die Hände über die Klinge in seinem Leib gelegt, als ob er das Leben drinnen halten könnte. Alles schmeckte nach Blut, hochschwappend, als das Stahl ruppig aus ihm herausgezerrt wurde. Auch seine Hautspanne zwischen Zeigefinger und Daumen hatte es dabei durchtrennt, doch er spürte es schon nicht mehr. Er sah, wie das Leben von einem Leuchten durchdrungen war, jetzt, da es aus ihm heraussickerte.

Mit einem verächtlichen Blick setzte der Krieger seinen Fuß auf die Schulter des Sterbenden und trat ihn zu Boden.
Warum mussten Menschen, wenn sie den Tod spürten, so selig glotzen?
Als wäre ihnen die Offenbarung zuteil geworden. Dabei verloren sie nur den Verstand.
Arme Schweine.

Ein paar Schritte entfernt zog er altes Leinen über das Schwert. Wenn man zu lange damit wartete, trocknete das Blut ein und die Kruste war nicht so leicht runterzukratzen. Der Mann am Boden atmete noch immer - wenn auch schwer. Stirnrunzelnd betrachtete der Krieger sein frisch geputztes Schwert. Er könnte ihm ja den Gnadenstoß geben. Doch dann müsste er das Schwert noch einmal putzen. Mit einer fließenden Bewegung steckte er es zurück in die Scheide und suchte sich den Weg zurück durch das Dickicht.




Ordnung gesucht

7 05 2008

Wie der eifrig Lesende mittlerweile sicherlich erfahren haben dürfte, bin ich selbst eine eifrig Lesende.

Wie viele Bücher ich wohl schon verschlungen oder hinter mich gebracht habe? Kein Vergleich zu den wartenden Massen, auf die ich noch nicht die Hände legen konnte. Wenn manche meinen, ich würde viel lesen, überrascht mich das eher. Ich könnte viel mehr lesen. Ich will unendlich viel mehr lesen. Allein der Gedanke, an das Wissen, die Ideen, die Geschichten - alle noch ruhend, wartend …

Neuerdings lese ich Bücher sogar mit Notizblock. Einfach weil mir immer wieder so schlechte Exemplare unterkommen, dass ich gar nicht anders kann, als versuchen, die Fehler genau zu ergründen und im Internet nach weiteren Kritiken zu suchen. Oder ich lese etwas so Weltbewegendes (JUNG!), dass ich jede Stelle markieren und auf die Wände schreiben will, um diese Erkenntnis nie wieder zu verlieren.

Aus all diesen Angewohnheiten ergibt sich ein großer Papierstapel. Und eine neue Erkenntnis: Ich bin - was mich selbst betrifft- extrem unorganisiert. Für manche nichts neues (ich seh euch lächeln!).

Aber sagt mir, wie sortiert man Ideen?

Schon seit mehreren Monaten suche ich nach einer Lösung. Irgendwie muss man doch ein System für seine Kreativität finden? Mittlerweile habe ich drei reale Ordner und mindest doppelt so viele auf meinem PC, sowie dutzende von Lesezeichen. Ich ärgere mich maßlos meine Ideen nicht sinnvoll ordnen zu können.

Solltet ihr also einen Vorschlag haben, wäre ich euch sehr dankbar. Vielleicht kennt ja jemand dieses Ideen-Überschwemmungs-Problem?




Schwadronier net so daggelich rôm !

28 04 2008

Ich habe mir gesagt: “Wenn du jetzt kurz was schreibst, bekommst du auch deine Schokokuchen-Backmischung.” Nur damit wir uns richtig verstehen: Ich will natürlich keinen Kuchen backen. Nein, meine neuste Erfindung sieht vor, dass ich den Teig anrühre, aber nur solang in den Ofen schiebe, dass erstens das blöde Backpulver draussen ist, von dem man Bauchschmerzen bekommt und zweitens schmeckt warmer Schokokuchenteig mit Kruste auch noch besser! Ha! Ich habe nur das Problem, dass ich losgehen und es kaufen muss.

Ich bin froh, dass es diese Hürde gibt, sonst würde ich jeden Tag Schokolade essen. Trotz allem. Trotz konsequenter gesunder Ernährung. Trotz einstündigem Joggen gestern und trotz tausender Artikel, in denen steht, dass Schokolade dick (und damit unglücklich) und schlechte Haut macht (und damit unglücklich) und besonders bei mir nervliche Kapriolen auslöst (die meine Umwelt ertragen muss, was auf Dauer auf mich zurückfällt und unglücklich macht). Egal. Dass ich mich selbst erpresse, um Dinge zu erledigen, finde ich übrigens normal. Ich meine, wer muss sich selbst nicht jedes Mal überzeugend sagen: “Iss es, das ist gesund und lecker!” wenn er Obstsalat vor sich hat, aber auf den Pudding schielt? Eigentlich bin ich die ganze Zeit am Verhandeln mit mir selbst. Der Nachteil ist, dass man schlecht verhandeln kann, wenn es darum geht ein “guter Mensch” zu sein. Entweder man zieht es durch oder nicht. Fast wie Fenster-putzen. Ein Fenster zählt nicht.

Wie dem auch sei, ich merke selbst, dass ich etwas plaudernd werde. Daher die Überschrift, die meine verborgene Sympathie für schwäbische Flüche zum Ausdruck bringen soll. Zu allem Überfluss (Achtung Wortspiel) hat es gerade angefangen zu regnen. Ich korrigiere: Zu schütten. Vielleicht bleibe ich doch schlank und glücklich. Eine Anmerkung sei mir erlaubt:

“Hemmel Herrgoddsagrament leck me am Arsch Scheißglômb verreggds!!”

Und weil ihr euch genauso wie ich so schön bis nach unten durchgequält habt, habe ich hier auch etwas für euch - fast so schön wie Schokolade:
Jedes Jahr wird der Ig-Nobelpreis verliehen (von engl.: ignoble), auch der “Anti-Nobelpreis” von manchen genannt. Dieses Jahr beeindruckte mich besonders die kreative Leistung der Kategorie Linguistik. Ich zitiere Wikipedia:

“Der Preis ging an ein Team der Universität von Barcelona dafür, dass sie zeigten, dass Ratten unfähig sind, eine Person, die japanisch rückwärts spricht von einer Person zu unterscheiden, welche niederländisch rückwärts spricht.”

Was wohl ein Schwabe dazu sagen würde?

“Heiligsblechle! Wenn Du so lang wärsch wia bleed, nô könnsch dr Mond am Arsch lecka!”




Trennung

26 04 2008

“Das mit uns beiden”, nochmal holte sie Luft, “das wird nichts. Keine Zukunft.” “Du weißt, irgendwann müssen wir uns alle weiterentwickeln, einen Schritt weitergehen. Ich muss das jetzt tun.” Das sagt sie sogar unter Tränen. “Bitte”, “Bitte verzeih mir”. Sie schweigt traurig mit niedergeschlagenen, nassen Wimpern. Leise streichelt sie mir nochmal durchs Haar. “Ich meine, was sollen sie denn denken, wenn sie dich morgens in meinem Bett finden? Sie würden es nie verstehen!”
Dabei fand sie mich damals so toll, dass sie mich unbedingt haben wollte. Ich weiß noch genau, wie glücklich wir damals waren, als sie mich das erste Mal in die Arme schloß.

Nun ein letzter Blick und der Karton schließt sich über mir. Wie alles Spielzeug muss ich auf den Dachboden.




Hilfe, mein Laptop ist Stier!

24 04 2008

Der StierNach mehr als einem Monat qualvollen Wartens habe ich jetzt einen neuen Laptop. Ich habe mich riesig gefreut, entsprechend seinen Ausmaßen. Ja, er ist nicht der kleinste. Alle neuen Funktionen habe ich ausprobiert und im Web gesurft, als hätte ich noch nie die Freuden des Onlinezeitalters gekostet. Doch mehr und mehr schlichen sich die ersten Dämpfer ein. Ungewöhnlich lange Ladezeiten. Ein sehr schickes Layout, das aber leider sehr schwer bedienbar ist. Mir kam ein Verdacht: Ist mein Laptop etwa ein Stier?

Ich habe nochmal nachgeschaut: Ja, diese Zeit gehört den Taunus-Kindern. Bleibt nur noch eine einzige Frage: Kann ein Laptop an sich einem bestimmten Sternzeichen angehören? Ist die Macht der Astrologie so groß, dass sie sogar der Technik Charaktereigenschaften abgewinnen kann?

Ich für mich habe diese Frage mit einem ja beantwortet. Ich kenne einige Stier-Geborene und möchte nicht allen grundsätzlich bestimmte Eigenschaften zusprechen, aber es gibt doch auffällige Gemeinsamkeiten!

Ein Stier geht nicht frohlockend auf Veränderungen zu. Er mag es eher nach Plan und gesichert. So auch mein Laptop. Er traut mir nichts zu und fragt mich lieber dreimal, ob ich das auch WIRKLICH machen möchte.

Wenn Stiere etwas tun, so machen sie es gründlich, was mitunter länger dauern kann, aber dafür besser ausieht. (Das sind die Kinder, die wirklich IMMER entlang der Linie ausgeschnitten haben.) Sie legen nämlich viel Wert auf das Schöne im Leben. Schließlich ist der regierende Planet die Venus. Brauche ich noch groß auf meinen Laptop hinzuweisen?

Und das dritte große Merkmal: Das Mit-dem-Kopf-durch-die Wand-Syndrom. Haben sich Stiere nämlich festgelegt und auf einen Wandel eingelassen, lassen sie nicht locker - koste es, was es wolle. Sie sind wie die Helden im Film. Selbst nachdem sie von einem Auto überfahren, in die empfindlichsten Körperteile getreten worden sind und nur noch am Ringfinger vom Rand der Klippe hängen, denken sie: “Ha! War das schon alles? Denkst du etwa ich gebe jetzt schon auf?!”. Das ist mein Laptop.

Ob das die besten Eigenschaften für einen Laptop sind? Ich habe da so meine Zweifel, aber ich setze auf eine weitere Seite des Stiers: Die tiefe Treue. Vielleicht gewöhnt sich der Laptop irgendwann an mich und kämpft dann gegen die bockigen Programme. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg der gemeinsamen Gewöhnung.




Reportage

23 04 2008

Das Schleichen ums Buchregal

Warum eine Buchhandlung der beste Ort ist, um zu beobachten, wie die Gesellschaft wirklich mit Sex umgeht.

In tiefer Konzentration blättert sie zur nächsten Seite und liest weiter. Plötzlich spürt sie eine Bewegung. Hastig klappt sie das Buch zu, schiebt es unauffällig unter den großen Stapel Kochbücher und schaut auf. Eine Buchhändlerin läuft an ihr vorbei.

Sex gilt in unserer Gesellschaft als ein offenes Thema. Es ist völlig normal Sex zu haben, und völlig normal, dass das jeder von uns weiß. Sogar der Buchhändler. Zwischen den Buchregalen entdeckt man jedoch Spuren, die ein anderes Bild von uns zeichnen.

Das versteckte Buch vom Anfang ist eines von vielen Sexratgebern. Mit Titeln wie „Orgasmus XXL”, „Millionen Frauen warten auf dich” oder „Die perfekte Liebhaberin” findet man sie entweder in der Abteilung Partnerschaft oder Wellness, wo sie mitunter die Hälfte des Buchbestandes ausmachen. Erotik schreibt keiner auf die großen Leitschilder. Auch auf Augenhöhe findet man solche Bücher nicht. Die Buchtitel wecken die Neugier, doch das riesige Format und das eindeutige Layout scheinen die Blicke der gesamten Buchhandlung auf sich zu ziehen. Vor allem, da in den modernen Buchhandlungen das Konzept des totalen Durchblicks praktiziert wird. Vorbei sind die Zeiten, als man eben mal unauffällig stöbern konnte. In den neuen Buchhandlungen soll man die Weite des freien Geistes spüren. Die verglaste Verkaufsfront erlaubt einen Blick bis in die letzte Ecke. Doch dafür bietet die freundlich moderne Buchhandlung runde Sitzgruppen, die von allen Seiten gut einsehbar sind. Meistens sitzt eine Beraterin sogar in der Nähe.

Das Eichhörnchenprinzip
Kein Wunder also, dass Erotikbücher von weniger freizügigen Lesern immer wieder in andere Abteilungen verschleppt und dort untergeschoben werden. Eine Art Eichhörchnchenprinzip, dass eine Buchhändlerin besonders verzweifeln lässt. “Die Kunden stecken die Bücher einfach an anderer Stelle ganz hinten rein.” Im Gegensatz zu den meisten Büchern, die ganz offen an die falsche Stelle gelegt werden. Deswegen überprüft Sie täglich ihre Abteilung, um die verirrten Bücher wieder einzusammeln. Man kann nur mutmaßen, wie es zu solch einer Situation kommt: Gelangweilte Ehemänner auf dem Weg zur Sportabteilung? Sprachstudenten, die die ruhige Wörterbuchabteilung dem ungeschützten Erotikregal vorziehen?

Ganz offen dagegen scheint die jüngere Generation mit Sex umzugehen. „Vor der Abteilung gibt es öfters Ansammlungen von Jugendlichen, die sich gut hörbar einander aus den Büchern vorlesen und dann mit den eigenen Erfahrungen vergleichen” erzählt eine Buchhändlerin. Gut zu sehen ist dabei, wie sie den Mund abschätzig verzieht. Ob es mehr das Thema oder die Lautstärke ist, das sie stört? „Allgemein ist die Erotikabteilung gut frequentiert” bestätigt eine andere Buchhändlerin. Sie habe den Eindruck, dass besonders Jugendliche, die gerade ihre ersten Erfahrungen mit der Sexualität machten, dort anzutreffen wären. Den Anteil schätzt sie auf 70 Prozent. Gerade den Jüngeren werden die meisten Sexualratgeber verkauft. Sicher ist Interesse da, aber auch die Tatsache, dass man in allen Internetbuchhandlungen erst bestellen darf, wenn man volljährig ist, spielt eine Rolle.

Nur nicht in die Augen schauen!
In einer Darmstädter Buchhandlung steht eine Bücherinsel mit Erotikratgebern mitten im Gang. Jedem Taschenbuch stehen die Seiten ab. Ein Buch über Sex wird im Durchschnitt wesentlich öfter durchgeblättert als jedes andere Buch. Eine ganz andere Sache dagegen ist, sich sozusagen noch einmal öffentlich zu seinem Interesse an „Supersex” zu bekennen. Die Rede ist vom Kaufen. Eine Buchhändlerin aus Ludwigsburg erzählt: „Gerade ältere Männer sieht man oft auf der Couch sitzen und das halbe Buch durchlesen.” In anderen Buchhandlungen wird diese Aussage bestätigt. Ältere Männer zeigen sich zwar sehr interessiert am Sortiment, tauchen jedoch selten mit dem Buch vor der Kasse auf.

Beim Kauf kann man einige verbreitete Verhaltensstrategien beobachten: Das verwickelnde Gespräch, das umgedrehte Buch, um das auffällige Cover zu verbergen und den Klassiker, den jeder vom Kondomkauf kennt: Die ‘Unter Todesstrafe der Verkäuferin nicht in die Augen schauen’-Taktik. Zwei Buchhändlerinnen erinnern sich noch sehr deutlich an ein 14jähriges Mädchen: “Sie lief schnell auf die Kasse zu, schmiss das Buch auf den Tisch und drehte sich sofort weg.” Beleibe nicht alle verwenden so viele Gedanken auf den simplen Akt des Buchkaufs. Aber vor allen den Mädchen ist es peinlich. Dabei schreibt Schriftstellerehepaar Bodansky in ihrem Buch “Orgasmus XXL”: “Wir können uns kein vergnüglicheres Thema vorstellen”.

Ob nun eine Buchhandlung der beste Ort ist, um zu beobachten, wie die Gesellschaft wirklich mit Sex umgeht, sei dahingestellt.
Sollte es aber so sein, so bin ich froh, dass man immer wieder auch jugendliche Pärchen sieht, die aneinandergeschmiegt auf der Couch sitzen und sich gegenseitig Tipps aus den Erotikbüchern vorlesen.




Ausschnitt

23 04 2008

Leicht strichen ihre Fingerkuppen über die Härchen der Blätter. “Das Leben ist uns so nah” sagte sie leise mehr zu sich selbst. Ein kurzer Blick zu ihrem Gast. Ob er wohl verstand? Still seufzend ließ sie die Hand hinabsinken und schloß das Thema innerlich ab. “Und sonst?” fragte sie betont freundlicher und wandte sich ihm dabei wieder ganz zu, “Was gibt es Neues?”.
Er sah sehr wohl, dass sie sich wieder geschlossen hatte. Der wichtigste Moment in seinem Plan - und er hatte ihn verpasst.




explosive Gedanken

8 04 2008

Platzhirsche sind kein schöner Anblick.




Überholen international

23 03 2008

Mit der Scheibenwelt hat es angefangen. Und obligatorisch muss man dann auch Douglas Adams lesen, den großen Bruder von Terry Pratchett - so hörte ich jedenfalls. Neben den bekannteren Büchern von ihm wie “Per Anhalter durch die Galaxis” wurde mir das Buch “Die Letzten ihrer Art” empfohlen - und so landete es diese Weihnachten auf dem Gabentisch und gestern in meinen Händen. Es beschreibt seine Reise zu den aussterbenden Tieren der Erde, stellenweise sehr unterhaltsam. Nun führte diese Reise auch nach China und was er über den dortigen Verkehr schreibt, ist wirklich lesenwert:

“Ausländer dürfen in China nicht Auto fahren, und die Gründe liegen auf der Hand. Die Chinesen fahren oder radeln nach Gesetzen, die für einen nichteingeweihten Betrachter einfach undurchschaubar sind, wobei ich nicht nur an die Gesetze der Straßenverkehrsordnung denke, sondern auch an die Gesetze der Physik. Gegen Ende unseres Aufenthaltes in China hatte ich mich damit abgefunden, dass der eigene Chauffeur, wenn er hinter einem anderen Wagen oder Laster auf einer zweispurigen Straße fährt und ihm zwei andere Fahrzeuge entgegenkommen, von denen eins gerade das andere überholt, unverzüglich ebenfalls ausschert und zum Überholen ansetzt. Wundersamer Weise geht es letztlich immer gut.
Nicht gewöhnen konnte ich mich allerdings an folgende Situation: Das Fahrzeug vor einem überholt das Fahrzeug davor, und der eigene Chauffeur schert aus und überholt das überholende Fahrzeug genau in dem Moment, da einem drei andere Fahrzeuge entgegenkommen, die das gleiche Manöver veranstalten.”

Leider ist diese Stelle erst auf Seite 215 und damit recht weit hinten für den ersten Lacher. Meine Mutter hingegen fand das Buch klasse. Die Reise ist auf jeden Fall interessant geschildert, der Stil von Herrn Adams für mich jedoch zu faserig, irgendwie stimmt der Rhythmus für mich nicht.

Ich merke, ich muss wirklich noch an meiner Kritikfähigkeit üben. Ich finde es schwer, auf den Punkt zu sagen, was genau da nicht passt.
Neuer Versuch: Obiger Szene folgt ein Abschlußsatz, der die Pointe ausklingen lassen soll:

“Man darf wohl davon ausgehen, dass Sir Isaac Newton schon vor langer Zeit als bourgeoiser, kapitalistischer Speichellecker enttarnt worden ist.”

Für mich ging das voll daneben. Anstelle es dabei zu belassen oder auf die Verkehrssituation einzugehen, wählt er diesen Satz, der das Thema im letzten Moment vom Lacher wegreißt. Nochzumal auf eine für mich unverständliche Art. Und so geht es an mehrern Stellen im Buch. Adams schildert präzise und schafft verblüffende Vergleiche, die zum Schmunzeln anregen. Doch die Sätze sind zu lang, die Szenen zu ausführlich und so dämmert man zwischen den grandiosen Stellen vor sich hin. Schade.

Übrigens: Zu Ostern gab es das relativ neue Buch von Terry Pratchett “Ein Hut voller Sterne”. Ich bin mal gespannt, ob das ein wenig packender wird als die anderen aus der Tiffany-Reihe. Doch mehr davon in der nächsten Kritik - ich muss ja für meinen Beitrag in der zweiten Ausgabe vom Darmspiegel üben ;).

Grüße an alle Lesenden!
Für was sind Feiertage sonst da?




Internet, schnell!

20 03 2008

Ich kann euch sagen, ein Leben ohne Internet ist kein schönes. Um jede Minute Online-Euphorie muss gebettelt werden, wie ein Junkie streift man von Zimmer zu Zimmer auf der Suche nach dem schnellen Glück. Dabei will ich nur meine Mails checken. Denn mein Handy hat auch keinen Empfang und Telepathie hat den Nachteil, dass entweder der Inhalt oder der Zeitpunkt bei der Übertragung grob verzerrt werden.

Wenigstens bin ich wieder topfit. Neben meiner unglaublich disziplinierten Schwimmaktivität schaue ich intensiv Eiskunstlauf. Spüre schon jetzt den Muskelkater. Aber was tut man nicht alles für die Bikinisaison. Überhaupt: Diese beschissene Bikinisaison. Jedes Jahr das Gleiche! Man kommt benommen aus dem Winter, in der einen Hand eine schöne heiße Tasse mit Honig in der anderen einen Schokokeks und blinzelt in die auferstandende Sonne. Sonne? Da war doch was? Ach ja, bald wird es endlich wärmer! Aber Moment - wenn es wärmer wird, zieht man weniger an. Und der kurze Blick nach unten genügt, um traurig die Hände sinken zu lassen, wissend, dass die sorgenlose Zeit vorbei ist. Jeden Frühling.

Man könnte meinen, durch den Internetentzug hätte ich vieeel Zeit zum Lesen gehabt. Nun die hatte ich. Allerdings ist nicht viel Erzählenswertes dabei herausgekommen. Ich beschäftigte mich immer noch mit Carl Gustav Jung. Mittlerweile lese ich an drei Büchern über ihn (Autobiographie, Gespräche, Theorie pur). Aber es ist so komplex, dass kleinere Anekdoten am Rande nicht drin sind. Dann lese ich jeden Abend bis der Schlaf mich erlöst ein Buch über die Kelten. Es ist anregend, aber nicht erwähnenswert. Ich habe “Die sieben unterirdischen Könige” von Alexander Wolkow gelesen. Besonders die Illustrationen machen den Charme dieser Kinderbücher aus.

Das bringt mich zu einer Diskussion, die ich vor längerem mit meinem Mitbewohner hatte:
Sind Illustrationen hinderlich für die Fantasie oder unterstreichen sie die Stimmung im Buch?
Ich bin immer von letzterem ausgegangen. Er meinte allerdings, dass der Leser gerade deswegen liest, um sich selbst ein Bild erschaffen zu können. Mir sind kleine Illustrationen sehr willkommen. Ich habe aber auch Bücher erlebt, in denen die Bilder den Lesefluß stark gestört haben, da sie mitten hinein gesetzt worden waren oder weil man im Bild eine Szene sah, die im Text noch nicht vorbereitet worden war. Dann springt man immer hin und her auf der Suche nach der richtigen Textstelle für das Bild.

Soweit von mir. Wehmütig verlasse ich meinen Blog. Hoffentlich ist nächste Woche mein Laptop wieder da. Dann geht es auch diesem gräulichen Layout an den Kragen.

Euch allen wünsche ich schöne Osterfeiertage!